Facebook im Veganwahn

Sie essen nur Pflanzen? Gut. Aber dann bitte auch Bio und Fairtrade, ach, und natürlich auch regional! Sie entscheiden sich gegen Leder, Wolle, Pelz und Seide? Haha! Sind Sie sich denn auch sicher, dass Ihr T-Shirt nicht in Bangladesh hergestellt wurde? Am besten noch von einem Kind? Tierversuchsfreie Kosmetik? Ohne Silikon und Mineralöle! Wasser? Nicht aus Plastikflaschen! Autofahren? Nein, Danke! Sie fliegen? Asozial!

Wer hat eigentlich Veganismus zur allumfassenden Tier-Mensch-Gesundheits- und Umweltschutzreligion gemacht?

Ich kann Ihnen nur wärmstens empfehlen, sich als Neuveganer nicht bei irgendeiner themenbezogenen Facebook-Gruppe anzumelden. Erst denkt man: Oh toll! Endlich ein paar Gleichgesinnte! Aber der Schuss geht flott nach hinten los. Dort wird man mal schnell zur Minna gemacht, wenn man seine  Bananen beim Discounter ersteht. Selbst wenn sie Bio und Fairtrade sind. Mitglieder werden wüst beschimpft, wenn sie Ihren Sojadrink von einem bestimmten Hersteller kaufen. Diskussionen darüber, ob man mit seinen Freunden in Lokale geht, die auch Fleisch anbieten, arten regelmäßig aus. Es wird beleidigt, verurteilt und heruntergeputzt.

Was ist nur mit den Leuten los? Wieso machen sie sich selbst und anderen das Leben so schwer? Ich meine, die meisten Veganer fangen doch als Tierschützer an und wollen entsprechend Frieden zwischen Mensch und Tier. Dem sollte doch der Frieden unter uns Tierschützern vorausgehen. Wieso hält man nicht zusammen, in einer Welt in der Veganismus immer noch als Feindbild, Lächerlichkeit oder Modetrend angesehen wird?

By the way frage ich mich auch, was Tierschutz mit Fairtrade zu tun hat. Waren Sie mal auf einer Fairtrademesse? Das sind schon zwei ziemlich unterschiedliche Dinge. Dort gibt es jede Menge Tierhaut. Mit und ohne Fell. Ich habe mich wirklich eingehend damit beschäftigt. Natürlich tun mir Menschen Leid, die unter schlimmen Bedingungen in Fabriken arbeiten. Aber diese Menschen haben alle Stimmen, sie können sprechen und sich gegen das Leben entscheiden, das sie führen. Tiere können das nun einmal nicht und genau deshalb bin ich auch Tierschützerin und keine Menschenrechtlerin. Ich sage es jetzt mal klar und deutlich: Was nützt es der Kuh, wenn ich ein schönes, teures Biobaumwoll-Fairtrade-Shirt kaufe und damit dafür sorge, dass ein Arbeiter einen besseren Lohn erhält, wenn er sich davon nach der Arbeit an der nächsten Ecke einen Cheeseburger kauft y7k0hx2. Ganz ehrlich? Da ist mir wirklich die Kuh wichtiger als der Mensch!

Tja, und was ist mit Biomärkten? Die Regale sind vollgepackt mit Fleisch, Käse und Eiern. Veganer scheinen Fairtradern und Biofreaks recht egal zu sein. Warum muss ein Veganer dann Wert auf Bio und Fairtrade legen? Und wenn jemand gerne Plastikwasser mit Fluoridzusatz trinken möchte — bitteschön! Außerdem verpeste ich, wenn ich mal mit meinem Auto in die City fahre, weitaus weniger die Umwelt, als die armen furzenden Kühe, die auf argentinischen Weiden auf den Schlachter warten.

Ich will damit nur deutlich machen, dass Veganer sich gegenseitig niedermachen, für Dinge, die doch eigentlich nichts mit der ursprünglichen Sache zu tun haben. Wir sitzen doch in einem Boot!

Auch ich kaufe inzwischen lieber Biolebensmittel ein, selbstverständlich gerne Fairtrade, wenn möglich. Auch ich trinke lieber Wasser aus Glasflaschen und im Sommer setze ich mich auch gerne mal aufs Rad anstatt ins Auto. Aber das sollte meine Entscheidung bleiben, oder?

Lassen Sie sich also bitte nicht von militanten oberschlauen Agrofacebookern verunsichern. Das Netz ist leider voll davon. Informieren Sie sich bei seriösen Quellen, wählen Sie Ihr eigenes Tempo und vor allem: Hören Sie auf ihr Herz!

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