Fleisch – ein Stück Lebenskraft

So lautet der unvergessene Slogan, mit dem die deutsche Agrarwirtschaft in den 1960er Jahren Werbung machte. Und was die Werbung uns sagt, das stimmt! Zu einhundert Prozent! Oder vielleicht doch nicht?
Dass viele Menschen meinen, ohne ihre tägliche Fleischration nicht überleben zu können, ist mir schon klar. Dass Fleisch groß und stark macht, hat uns schon Omi erzählt. Und dann Papa. Wenn man die Sache jedoch mal genauer unter die Lupe nimmt und sich unsere größten Fleischfresser ansieht, dann sind die zwar stark, aber ganz schön träge. Nehmen wir mal einen Löwen. Der schläft bis zu 20 Stunden am Tag. Ein Gorilla, der nicht minder stark ist, sich jedoch hauptsächlich von Blättern ernährt, schläft hingegen nur circa 12 Stunden, ein Orang Utan sogar nur 6. Dagegen ist ein Löwe doch die reinste Penntüte! Wo bleibt denn da bitte schön die Lebenskraft?
Dass selbst unsere Raubkatzen ihrer Beute zunächst den Bauch aufreißen und den Magen mit seinem pflanzlichen Inhalt verzehren, ist wohl den Wenigsten bekannt. Danach folgen die Eingeweide. Und wissen Sie was? Das von uns so geschätzte Muskelfleisch bleibt meist liegen. Für wen? Für die Aasfresser! Und jetzt gucken Sie sich diese Aasfresser mal an! So ein Geier sieht doch wirklich nicht besonders hübsch aus. Tja, aber er ernährt sich von denselben Sachen, wie unsere menschlichen Fleischesser-Freunde.
Dass man seinen Eisenbedarf nur durch Fleisch decken kann, dürfte ernährungswissenschaftlich schon ausreichend widerlegt sein, und auch Eiweiß muss nicht von Tieren stammen. Es gibt reichlich Eisen und Eiweiß in Getreide, Hülsenfrüchten und Samen.
So, und was bleibt sonst noch? Der Geschmack? Spanischer Schinken,  französisches Hühnchen, argentinisches Rindfleisch … yummy!!!
Haben Sie mal rohes ungewürztes Fleisch gegessen? Nein? Nun, das hat vermutlich den Grund, dass Fleisch roh und ungewürzt sehr widerlich schmeckt und im Grunde unkaubar für uns ist. Gut, ich will gar nicht abstreiten, dass ein fein zubereiteter Sauerbraten sicher so manchem Gaumen einen wahren Höhenflug bereitet. Allerdings gibt es so fantastische Alternativen, dass einem Vegetarier wirklich rein gar nichts fehlt. Im Gegenteil! Soja- und Seitangerichte sind für viele sogar noch schmackhafter, weil sie weniger Fett enthalten. Bei einem leckeren Tofugyros zum Beispiel hat man keine fiesen Fettlappen im Mund wie beim Original, sondern hochwertiges, mageres Eiweiß. Also ist das Ganze nicht nur appetitlicher, sondern auch kalorienärmer. Und irgendwie wollen wir doch alle immer abnehmen, oder?
Ja, wir wollen schlank, schön und gesund sein. Aber geht das überhaupt, in Anbetracht der Mengen an Antibiotika, die wir durch Fleisch zu uns nehmen? Richtig, die Tiere bekommen Antibiotika, damit sie die unwürdigen, gesundheitsschädlichen und schlichtweg unhygienischen Umstände auf den Höfen halbwegs überleben. Sie bekommen Futter, das oftmals mit Dioxin, mindestens aber mit toxischen Pflanzenschutzmitteln verseucht ist. In den USA erhalten sie sogar Wachstumshormone, damit der Fleischberg schneller wächst.  2011 wurde bekannt, dass diese  in Deutschland verbotenen Wachstumshormone für ein effizientes Mastdoping bei uns durch  Antibiotika ersetzt werden. All diese wunderbaren Zusatzstoffe werden im Körper der Tiere gespeichert. Fleischesser nehmen jeden Tag einen schönen Cocktail an diesen Giften zu sich. Na, Hauptsache, es schmeckt.
Zu guter letzt stellt sich mir jedoch immer wieder die Frage, wieso wir Menschen so furchtbar vergesslich sind. Eine Zeit lang konnten wir uns doch regelrecht entscheiden, ob wir nun die Schweinepest, Rinderwahnsinn oder Salmonellenhühnchen essen wollen. Und was war mit dem Gammelfleisch? Schnee von gestern? Sicher nicht! Bei wirklich jeder Recherche kommen neue schlimme Dinge ans Tageslicht. Manche werden breitgetreten, wie zum Beispiel der Wiesenhofskandal, bei dem jeder normale Mensch die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Andere werden unter den Teppich gekehrt. Und warum? Weil eine ganze Industrie dahinter steht und eine vernünftige Berichterstattung verhindert. Und für den Konsumenten ist es doch ohnehin viel bequemer, das alles nicht zu wissen. Also schön die Augen zu machen und weiter Tierleichen essen!
Guten Appetit!

Kein Kommentar zu "Fleisch – ein Stück Lebenskraft"

    Einen Kommentar hinterlassen

    Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.